Der Markt für konversationelle KI hat sich fragmentiert. ChatGPT dominiert zwar weiterhin mit über 80 % Marktanteil, aber seine Konkurrenten holen auf. Und vor allem: Jede Plattform hat ihre eigenen Besonderheiten, bevorzugten Quellen und Zitierkriterien.
Für eine effektive KI-Sichtbarkeitsstrategie reicht es nicht mehr aus, nur an „ChatGPT" zu denken. Sie müssen das gesamte Ökosystem verstehen: wer die Akteure sind, was ihre Besonderheiten sind und welche für Ihre Zielgruppe wirklich relevant sind.
Dieser Überblick beschreibt die fünf wesentlichen Plattformen des Jahres 2025 mit den relevanten Daten: Nutzer, Marktanteil, Zitierverhalten und Auswirkungen auf Ihre Sichtbarkeit.
Der Markt im Jahr 2025
Die Landschaft hat sich seit dem Erscheinen von ChatGPT Ende 2022 erheblich weiterentwickelt. Während OpenAI weitgehend dominant bleibt, hat sich der Wettbewerb intensiviert und um differenzierte Positionen strukturiert.
Marktanteile der KI-Chatbots — 2025
Claude von Anthropic nimmt mit etwa 3 % Marktanteil im Verbraucherbereich eine einzigartige Position ein: dominant im Unternehmenssegment (32 % B2B-Marktanteil), aber diskret auf der Verbraucherseite. Diese Dichotomie illustriert gut die laufende Segmentierung.
Die Zahlen variieren je nach Quelle und Messmethode, aber der Trend ist klar: Der Markt fragmentiert sich. ChatGPT hat Punkte an spezialisierte Wettbewerber verloren. Und diese Fragmentierung bedeutet, dass die Sichtbarkeitsbemühungen diversifiziert werden müssen.
ChatGPT: der unvermeidbare Gigant
ChatGPT (OpenAI)
ChatGPT bleibt die Markt-Referenz. 800 Millionen wöchentliche Nutzer, über 2 Milliarden tägliche Anfragen. Es ist der Einstiegspunkt für die meisten Nutzer in die konversationelle KI.
Zitierverhalten: ChatGPT stützt sich auf Bing für die Echtzeitsuche. 87 % der zitierten Quellen entsprechen den Top 10 von Bing. Wikipedia repräsentiert fast 8 % aller Zitate — die am häufigsten erwähnte Quelle.
Stärken für die Sichtbarkeit:
- Massives Nutzervolumen — hier zitiert zu werden maximiert die Reichweite
- Bing-Anbindung — Bing-Positionierung überträgt sich direkt
- Medienpartnerschaften (AP, Reuters, Axel Springer) — diese Quellen werden priorisiert
Was wichtig ist, um dort zu erscheinen: Starke Domain-Autorität, Bing-Positionierung, strukturierter Inhalt mit Antwortkapseln, Präsenz auf OpenAI-Partnerquellen.
Claude: die professionelle Wahl
Claude (Anthropic)
Claude hat ein untypisches Profil: 3 % Marktanteil bei Verbrauchern, aber 32 % des Unternehmensmarktes — und übertrifft damit OpenAI in diesem Segment. Es ist das bevorzugte Modell für Entwickler und regulierte Branchen.
Zitierverhalten: Claude bevorzugt technische Quellen und offizielle Dokumentation. Starke Überschneidung mit GitHub, Stack Overflow, Notion und Figma. Hervorragend für die Analyse langer Dokumente — besonders geschätzt in den Bereichen Recht und Finanzen.
Stärken für die Sichtbarkeit:
- Dominant im Unternehmensbereich — wenn Ihre Zielgruppe B2B ist, zählt Claude genauso viel wie ChatGPT
- Bevorzugt für technische Aufgaben — IT-Sektor, Entwicklung, Beratung
- Über 60 % der Fortune-500-Unternehmen haben damit experimentiert
Was wichtig ist, um dort zu erscheinen: Hochwertige technische Dokumentation, Präsenz auf Entwicklerplattformen, vertiefter und strukturierter Inhalt, nachgewiesene Branchenexpertise.
Gemini: Google-Integration
Gemini (Google)
Gemini profitiert vom Google-Ökosystem. 450 Millionen monatliche Nutzer, integriert in Android, Google Workspace und schrittweise in Google Search über AI Overviews.
Zitierverhalten: Gemini stützt sich logischerweise auf den Google-Index. AI Overviews — die Gemini-Technologie nutzen — zitieren 97 % ihrer Quellen aus den Top 20 von Google. Die Synergie zwischen klassischem SEO und Gemini-Sichtbarkeit ist direkt.
Stärken für die Sichtbarkeit:
- Native Integration ins Google-Ökosystem — automatische Massenwirkung
- AI Overviews erweitern seine Reichweite in der traditionellen Suche
- Starke Akzeptanz auf Mobilgeräten (Android)
Was wichtig ist, um dort zu erscheinen: Klassische Google-SEO-Positionierung, schema.org-strukturierte Daten, Präsenz im Knowledge Graph, solide E-E-A-T-Inhalte.
Perplexity: der Suchspezialist
Perplexity
Perplexity hat sich als „Answer Engine" statt als generalistischer Chatbot positioniert. 22 Millionen Nutzer, 780 Millionen monatliche Anfragen — eine Verdreifachung in weniger als einem Jahr.
Zitierverhalten: Perplexity zitiert systematisch seine Quellen mit klickbaren Links. Es bevorzugt spezialisierte Publikationen, Studien und Websites mit starker thematischer Autorität. Sehr „Forschungs"-orientiertes Format mit Inline-Zitaten.
Stärken für die Sichtbarkeit:
- Systematische Zitate mit Links — generiert direkten Traffic
- Forschungs- und beruflich orientiertes Publikum
- Wertschätzung von Originaldaten und Analysen
Was wichtig ist, um dort zu erscheinen: Faktenbasierter und belegter Inhalt, proprietäre Daten, spezialisierte Publikationen, nachgewiesene Expertise im jeweiligen Bereich.
Copilot: Microsofts integrierte KI
Copilot (Microsoft)
Copilot ist überall im Microsoft-Ökosystem präsent: Windows 11, Edge, Office 365, Teams. Etwa 14 % Marktanteil, mit massiver Unternehmensadoption über Microsoft 365-Lizenzen.
Zitierverhalten: Copilot nutzt Bing als Quelle, ähnlich wie ChatGPT. Die Integration in Produktivitätstools (Word, Excel, PowerPoint) macht es zu einem täglichen Berührungspunkt für Berufstätige.
Stärken für die Sichtbarkeit:
- Integration in tägliche Arbeitsabläufe — kontextuelle Sichtbarkeit
- Starke Unternehmensadoption über M365-Lizenzen
- Synergie mit Bing-Positionierung
Was wichtig ist, um dort zu erscheinen: Gleiche Hebel wie bei ChatGPT — Bing-Positionierung, Domain-Autorität, strukturierter Inhalt.
Neue Marktteilnehmer im Blick
Über die fünf Marktführer hinaus verdienen mehrere Akteure Aufmerksamkeit:
DeepSeek trat Anfang 2025 mit einem leistungsstarken Open-Source-Modell auf den Plan. Etwa 1,6 % Marktanteil, aber schnelles Wachstum und starke Akzeptanz in Asien.
Grok (xAI / X) profitiert von der Integration in die X-Plattform (ehemals Twitter). Differenzierende Positionierung bei aktuellen Ereignissen und politischen Themen.
Meta AI schreitet durch die Integration in Facebook-, Instagram- und WhatsApp-Anwendungen voran. Die potenzielle Nutzerbasis ist enorm, auch wenn die Akzeptanz noch begrenzt bleibt.
Diese Plattformen stellen für die meisten Unternehmen noch kein signifikantes Volumen dar, illustrieren aber die Dynamik der Marktfragmentierung.
Auswirkungen auf Ihre Sichtbarkeitsstrategie
Die Marktdiversifizierung hat mehrere praktische Konsequenzen.
1. Priorisieren Sie nach Ihrer Zielgruppe
Wenn Ihre Zielgruppe allgemeines B2C ist, bleibt ChatGPT die absolute Priorität. Wenn Sie auf Fachleute oder Unternehmen abzielen, verdient Claude ebenso viel Aufmerksamkeit. Für Tech- und Entwicklerzielgruppen wird die Präsenz auf Claude und Perplexity strategisch.
2. Identifizieren Sie Synergien
ChatGPT und Copilot nutzen Bing — die Optimierung für Bing deckt 74 % des Marktes ab. Gemini und AI Overviews nutzen den Google-Index — Ihr klassisches SEO überträgt sich direkt. Diese Synergien ermöglichen eine Optimierung des Aufwands.
3. Passen Sie das Format an den Kanal an
Perplexity wertschätzt Daten und Zitate. Claude schätzt vertiefte technische Inhalte. ChatGPT bevorzugt kurze, eigenständige Antwortkapseln. Dasselbe Thema kann je nach Zielplattform unterschiedliche Aufbereitungen erfordern.
4. Messen Sie plattformspezifisch
Ihre Sichtbarkeit kann von einer KI zur anderen erheblich variieren. Regelmäßige Audits auf verschiedenen Plattformen helfen, Schwachstellen zu identifizieren und die Strategie anzupassen.
Prüfen Sie Ihre Sichtbarkeit auf allen Plattformen
Entdecken Sie, wie Ihre Marke auf ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity erscheint. Vergleichen Sie Ihre Leistung nach Plattform.
Multi-KI-Audit startenZu antizipierende Entwicklungen
Mehrere Trends werden die Landschaft in den kommenden Monaten prägen:
Zunehmende Integration in Arbeitsabläufe. Konversationelle KIs integrieren sich immer stärker in alltägliche Tools — Websuche, Produktivität, Content-Erstellung. Der Markenkontaktmoment verlagert sich von der absichtlichen Suche zur kontextuellen Unterstützung.
Branchenspezialisierung. Vertikale KIs entstehen für bestimmte Branchen — Gesundheitswesen, Recht, Finanzen. Diese spezialisierten Plattformen könnten für bestimmte Märkte zu prioritären Sichtbarkeitskanälen werden.
Entwicklung von Content-Partnerschaften. Vereinbarungen zwischen KI-Plattformen und Content-Herausgebern vervielfachen sich. Diese Partnerschaften ändern die bevorzugten Quellen und schaffen neue Sichtbarkeitsmöglichkeiten.
Konvergenz von Suche und Konversation. Die Grenze zwischen traditionellen Suchmaschinen und konversationeller KI verschwimmt. Google integriert Gemini, Bing integriert ChatGPT. Langfristig könnte die Unterscheidung hinfällig werden.
Wichtigste Erkenntnisse
Der Markt für konversationelle KI ist nicht mehr monolithisch. ChatGPT dominiert, aber fünf große Plattformen sind mittlerweile für die Unternehmenssichtbarkeit relevant.
Jede Plattform hat ihre Besonderheiten: bevorzugte Quellen, Zitierformat, typisches Publikum. Eine effektive KI-Sichtbarkeitsstrategie berücksichtigt diese Unterschiede, anstatt „KI" als homogenen Block zu behandeln.
Synergien existieren und ermöglichen eine Optimierung des Aufwands. Bing deckt ChatGPT und Copilot ab. Google deckt Gemini und AI Overviews ab. Ein strukturierter Ansatz kann die Wirkung maximieren, ohne den Arbeitsaufwand zu vervielfachen.
Die Fragmentierung wird sich fortsetzen. Neue Akteure treten auf, bestehende spezialisieren sich. Diese Landschaft zu beobachten und die Strategie anzupassen, wird selbst zu einer eigenen Kompetenz.